Chin-Staat

Reise in den Chin-Staat

Hallo Freunde,

wir sind nach einer 10-tägigen Reise wieder zurück in Yangon. Haben uns nach unserem anstrengenden Trip in den Chin State (s.u.) einen Tag Erholung in Bagan gegönnt, das wir am 23. April um 0.40 h nach einem 14-stündigen Höllenritt über 560 km (die Hälfte davon im Gebirge) von der indischen Grenze in Rihkardaw (gesprochen etwa wie Recorder = englische Aussprache) erreichten. Chin State war so faszinierend, dass wir noch 2 Tage drangehängt haben.
Wir haben folgende Strecke in 8 Tagen zurückgelegt: Yangon – Salay (Besichtigung der selten besuchten nahe gelegenen Tempel in Hsale) – Kanpetlet (Bild v. d. Besteigung d. Mt. Victoria hatte ich geschickt) – Mindat – Matupi – Hakha (via Falam und von dort über Schotterpiste durch den Dschungel) – Rikhawdar – Bagan (via Tidem, Kalemyo, Gangaw und Pakkoku).

Und heute dann von Bagan nach Yangon in 6 Stunden. Zu unserer großen Überraschung wird man in Myanmar neuerdings geblitzt! Wir mussten 60.000 K Strafe wegen überhöhter Geschwindigkeit bezahlen! Die Segnungen der Demokratie! Doch jetzt zu unserer Reise.
Chin State ist flächenmäßig etwas größer als NRW und hat knapp 500.000 Einwohner = nicht einmal so viele wie Hannover, d.h. 14 Einwohner verlaufen sich auf einem qkm. Das sind weniger, als man nach 20 Uhr in der Wilhelmshavener Fußgängerzone trifft. Und wer die Einsamkeit der abendlichen W’havener Fußgängerzone kennt, weiß wovon ich spreche… Die Landschaft ist faszinierend, ebenso die Straßen. An den Hauptverbindungen sind Bagger, Walzen und Schaufellader stationiert, die die allgegenwärtigen Erdrutsche routiniert und effizient beseitigen. Habe mir nicht vorstellen können, dass so etwas hierzulande möglich ist. Hut ab! Das Wetter war gut, etwa so wie im deutschen Sommer, nachts aber richtig kalt! Heiße Duschen eher unbekannt… Tiere haben wir keine gesehen, abgesehen von einem toten Reh, das ein Jäger auf der Schulter trug. Wir haben erstaunlich viele Jäger mit altertümlichen Flinten getroffen – vielleicht ist das der Grund. Die Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit des Chin State lässt eher erwarten, dass einem Tiger über den Weg laufen…
Die Hauptstadt Hakha hat ca. 25.000 Einwohner und es gibt sogar  ein Parlament dort. Die sprachlich extrem zersplitterten Chin sind überwiegend Christen, die unzähligen Sekten angehören. Das hat dazu geführt, dass sie meist gut Englisch sprechen (Misssionare!); außerdem können sie oft gut singen. Die berühmten Frauen mit Gesichtstätowierung haben wir nur selten gesehen. Allerdings haben wir auch nicht nach ihnen gesucht wie manche Leute, die extra deretwegen dort hinfahren. Wir fuhren zu viert in einem Ford Ranger mit Allradantrieb, der uns sehr zugute kam. Als wir den Chin State erreichten, gesellte sich noch ein unerwünschter Mitfahrer hinzu – mein Heuschnupfen, den ich sonst hier in Myanmar nicht habe! Aber bei meinem anstehenden Besuch in D’land wird er mich wieder plagen, da bin ich mir ganz sicher. Das Essen ist schlecht, die Chin sind ja bekannt dafür, dass sie gern Hunde essen. Diese wurden uns jedoch nie angeboten. Allerdings muss ich ihnen zugute halten, dass die dortigen Hunde keinerlei Ähnlichkeit mit den vermaledeiten Straßenkötern haben, denen man allenthalben in Myanmar begegnet. Die Chin-Hunde sehen richtig lecker aus, wenn ich mal so sagen darf… Die Hotels waren (abgesehen vom ‚touristischen‘ Südteil des Staates) miserabel, habe schon lange nicht mehr in einem Zimmer mit Gemeinschaftsklo auf dem Flur – wie in Rihkawdar (s. Foto mit der Wirtin) logiert. Auf der anderen Seite kann man für 9 Euro incl. Frühstück auch nicht viel mehr verlangen, denke ich. Oder? Wir haben übrigens im nördlichen Chin State keinen einzigen Ausländer getroffen. Ja, so war’s im Chin State. Falls ihr noch Fragen zu Routen usw. habt, lasst es mich wissen.
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