Vom Golf von Bengalen zum Shan Plateau

Novizen am Ngwesaung Beach

Anfang Mai d. J. mieteten wir (Tobias und Htet Htet, Martin und seine Frau Bee sowie Ei Ei und ich) uns ein komfortables Auto und machten eine 14-tägige Tour durch Myanmar. Da Ei Ei und ich den Strand von Ngewsaung schon sehr gut kennen, stießen wir erst in Pathein dazu. Die Hauptstadt des Deltas hat uns sehr gut gefallen, dort lebt das alte Burma noch. Obwohl es seit kurzem ein großes Shopping Center gibt. Zu unserem Erstaunen – und unserer Freude – gab es dort sogar echte HARIBO-Gummibärchen. Mit denen wir uns kräftig eindeckten. Wir wohnten im ‚The First Hotel‘, ganz neu und passabel, direkt an der Corniche – wenn man das denn mal so nennen will – gelegen …

Vom Strand in Ngwesaung (unsere Freunde wohnten im Shwe Hintha Hotel, einfach aber gut) ist es nur eine Stunde Fahrtzeit. Über den südlichsten Teil des alten Pathein-Monywa Highways ging es Richtung Norden. Der Highway verbindet das Delta mit Monywa, dem wichtigsten Ort des Chindwin-Tales (Sagaing Region). Er verläuft auf dem Westufer des Ayeyarwady River. Die burmesischen Regierung baute ihn in den 50er Jahren, um die von Rebellen kontrollierten Gebiete auf dem Ostufer des Ayeyarwady zu umgehen. Ein paar km südlich des Ortes Alezu verließen wir den Highway und bogen Richtung Westen ab. Wir überquerten das Arakan-Gebirge (Rakhine Yoma), das den gleichnamigen Bundesstaat vom Rest des Landes trennt. Das Gebirge schließt an die Ausläufer des östlichen Himalayas (Chin Hills) an und verläuft bogenförmig in Nord-Süd-Richtung. Es ist nur spärlich besiedelt, die Straßenverbindungen zum ‚Rest des Landes‘ sind denkbar schlecht. Der schmale Landstreifen zwischen dem Gebirge und dem Golf von Bengalen hingegen zählt zu den am dichtesten besiedelten Gebietes Myanmars. Das Gebirge wird nach Süden hin immer flacher, bis es am Kap Negrais im Golf von Bengalen zu verschwinden scheint. Was ein Fehlschluss ist: Es setzt sich Richtung Süden über die Andamanen und Nikobaren bis nach Sumatra fort.

Der Arakan (Rakhine) Staat ist seit geraumer Zeit in den Schlagzeilen: Hier gibt es große Probleme zwischen aus Bengalen eingewanderten Moslems (Eigenbezeichnung Rohingya) und den buddhistischen tibeto-burmanischen Arakanesen. Sie gipfelten in der Vertreibung von etlichen hunderttausend Moslems nach Bangladesh. Hinzu kommt seit einiger Zeit ein Konflikt zwischen der von ethnischen Arakanesen begründeten Arakan Army (die die Unabhängigkeit des Gebietes anstrebt) und burmesischen Regierungstruppen. Er hat schon zu etlichen Scharmützeln mit Todesopfern auf beiden Seiten geführt. Die Bevölkerung ist zwischen die Fronten geraten und das Hauptopfer des Konfliktes – wie leider so oft in Myanmar. Da sich besagte Ereignisse überwiegend im Norden des Bundesstaates abspielen bekamen wir nichts davon mit.

Die Grenze zwischen der Ayeyarwady Region und dem Rakhine State wird kontrolliert. Die Immigration-Behörde schaut sich die Reisepässe an und die Namen der Reisenden werden in ein dickes Buch eingetragen. Ausländer scheinen hier selten durchzukommen. Etwa eine Stunde später erreichten wir den Ort Gwa, romantisch am Golf von Bengalen gelegen. Von dort ist es noch etwa eine Stunde Richtung Norden bis zum Ort Kanthaya. Über eine schlechte Straße geht es zum Meer. Und dort lag unser Ziel, die Arakan Nature Lodge!

Strand der Arakan Nature Lodge

Der Betreiber ist ein Schweizer Krankenpfleger namens Ueli, der seit einiger Zeit in Myanmar lebt. Wie er berichtete, habe er längere Zeit in Sandoway für eine NGO gearbeitet. Dann bekam er das Angebot, dieses Resort zu übernehmen und er schlug ein. Die Arakan Nature Lodge besteht aus mehreren recht komfortablen einstöckigen Bungalows und zwei zweistöckigen Häusern, in denen jeweils zwei Zimmer untergebracht sind. Einige der Bungalows liegen am direkt am Strand, der Rest in der zweiten Reihe. Die Preise fanden wir vergleichsweise hoch (über 100 Dollar), allerdings ist zu berücksichtigen, dass hier Vollpension geboten wird. Das Essen schmeckte gut, auch wenn es manchmal etwas spärlich dosiert war. Ueli und sein Team geben sich große Mühe und verwöhnen ihre Gäste nach Kräften. Der Strom kommt aus der Solaranlage und ist von abends um 6 bis morgens um 7 verfügbar. Es gibt weder eine Klimaanlage noch Ventilatoren, was für uns (in der heißen Jahreszeit!) o.k. war. Vom Meer wehte stets eine kühle Brise. Nur am Nachmittag konnte es unangenehm heiß werden. Die Toiletten sind nicht mit Wasserspülung ausgestattet, nach Benutzung wird ein Gemisch aus Reishülsen und sonstwas eingestreut. Wir konnten keinen Unterschied zur Wasserspülungen feststellen, so weit es den Geruch betraf. Die Gäste waren meist Expats, d. h. in Myanmar ansässige Ausländer. Zur Zeit unseres Besuches waren dort etliche Ehepaare mit Kindern zu Gast.

Kissenlava

Das Highlight ist – wie zu erwarten – der Strand. Wunderschön und praktisch menschenleer. Nur ab und zu sahen wir ein paar Fischer am Meer. Einen solchen Strand gibt es eigentlich nur in Katalogen. Das Meer ideal zum Baden, auch für Kinder. Es dauert eine ganze Weile, ehe man tiefes Wasser erreicht. Am nördlichen Ende des Strandes sehr interessante, bizarre Felsformationen (Kissenlava, siehe unten). Wir haben dort nicht getaucht oder geschnorchelt, aber schon was man von oben sehen konnte, war eindrucksvoll! Das Resort stellt Masken, Flossen und etliche Wassersportgeräte gratis zur Verfügung. Die Anreise ist – bei einem so abgelegenen Ort nicht verwunderlich – etwas beschwerlich. Mit dem Auto sind es ca. acht Stunden von Yangon. Ein weniger anstrengender Weg führt über Ngapali/Sandoway, das von Yangon bequem mit dem Flieger zu erreichen ist. Vom kleinen Airport aus sind es ca. drei Autostunden bis zum Resort. Auf dem Weg viele unberührte Strände. In Kanthaya selbst gibt es schon etliche Guest Houses und Hotels die nach unserem Eindruck überwiegend von Einheimischen besucht wurden.

Unser nächster Stopp war besagtes Ngapali. Dort hat sich sehr viel getan, teilweise erinnerte es mich an Kuta Beach (Bali) in den 70ern. Mit Ausnahme des in Ngapali nicht vorhandenen Nightlife, versteht sich! Wir wohnten in der Yoma Cherry Lodge, eine schöne Anlage nördlich des Hauptstrandes. Leider wird die Bucht auch von vielen Fischern als Ankerplatz benutzt. So stinkt es oft nach Diesel, die Fischer gehen ihrer Arbeit nach und der Strand ist demgemäß nicht besonders attraktiv. Mit dem Wagen war es nur ein kurzer Trip bis zum Hauptstrand, wo man gut baden konnte. Wenn wir eine Rangliste der besuchten Strände aufstellen sollten, würde der Arakan Nature Lodge der erste Platz gebühren, Ngwesaung läge auf Platz 2 und Ngapali auf dem letzten Platz.

Nach drei Tagen in Ngapali machten wir uns auf den Weg nach Pyay, auf der Ostseite der Rakhine Yoma gelegen. Die Straße führte Richtung Norden nach Taungok. Von dort führt die Hauptstrecke nach Osten über die Rakhine Yoma nach Pyay. Das Gebirge ist hier schon erheblich höher als weiter im Süden. Die Grenze zwischen dem Rakhine State und der Bago Region verläuft auf dem Hauptkamm (ca. 1.300 m hoch). An der Grenze wieder der übliche Check und dann ging es weiter nach Pyay (Prome) das wir am Abend erreichten. Zu meinem Erstaunen war dieses Gebirge sehr trocken, die Vegetation weitgehend verdorrt, obwohl es so nah am Meer lag. Und noch größer wurde mein Erstaunen, als das nächste Gebirge, die Bago Yoma, schon erheblich grüner war – obwohl viel weiter vom Meer entfernt. Und um das Bild perfekt zu machen, war das noch weiter östlich gelegene Shan-Gebirge das grünste! Das wird sich vermutlich mit Einsetzen des Monsuns grundlegend ändern.

Brillenbuddha

Pyay, früher als Prome bekannt, ist eine recht große Stadt am Ayeyarwady, der hier von einer gewaltigen Brücke überspannt wird. Neben den üblichen Pagoden hat die Stadt selbst nicht viel zu bieten. Wir wohnten Lucky Dragon Hotel, ganz o.k.! Allerdings wird ihm vermutlich das neu eröffnete Pyay Garden Hotel in absehbarer Zeit den Rang ablaufen. Wer den guten alten sozialistischen burmesischen Stil mag, wird sich im Mingala Garden wohl fühlen. Die Sehenswürdigkeiten liegen etwas abseits. Da ist zum einen der Brillenbuddha in Shwedaung, ein wichtiges Pilgerzentrum. Angeblich hat ein Brite, dessen Frau an einem Augenleiden erkrankt war, die Brille in den 20er Jahren gestiftet. Es wurden schon etliche Versuche unternommen, sie abzunehmen. Sie alle endeten in Katastrophen verschiedener Art. Also ließ man es … Neun Mönche sind nötig, um die Brille alle zwei Wochen zu reinigen.

Flaschenkürbis-Stupa

Bedeutend interessanter ist da schon Sri Kshetra, bei den Burmesen als Tharekittaya bekannt. Es ist die letzte der großen Städte des geheimnisvollen Pyu-Volkes, das in der Frühgeschichte Myanmars eine wichtige Rolle spielte. Die große Stadt wurde im 9. Jahrhundert von Feinden überwältigt und ihre Bewohner zerstreuten sich. Die Ruinen erstrecken sich über ein großes Gebiet und sind erheblich älter als die Bauten von Bagan. Ein kleines Museum erzählt die Geschichte der Stadt. Die Pyu sind die ‚Erfinder‘ des Flaschenkürbis-Stupa (Bu Hpaya), von denen auch in Bagan etliche zu sehen sind. Neben den großen Stupas Hpayagyi und Bawbawgyi ist vor allem der Laymyethna-Tempel mit seinen vier Eingängen interessant. Vermutlich ist er die erste seiner Art im ganzen Lande …

Bago Yoma Eco Resort

Nach der Besichtigung Sri Kshetras fuhren wir Richtung Osten zur Bago Yoma (Bago-Gebirge). Dieses erstreckt sich vom Mt. Popa (nahe Bagan) im Norden über mehrere hundert km nach Süden. Sie endet in Yangon. Der Theingottara-Hügel, auf dem die Shwedagon steht, ist sozusagen der letzte Ausläufer dieser Bergkette. Sie ist nicht besonders hoch, aber ein wichtiges Zentrum der Forstwirschaft. Die meisten Teakstämme kommen von hier. Hier sind noch Arbeitselefanten im Einsatz! Es ist möglich, die Camps nach Absprache zu besuchen. Im Gegensatz zu anderen Camps (z. B. das Poe Khyar Camp) ist das hier ‚the real thing‘! Wir wohnten in der Bago Yoma Eco Resort, die am westlichen Hang des Gebirges liegt. Eine sehr geschmackvoll eingerichtete Lodge mit komfortablen, schönen Bungalows. Nachts gab es sogar Aircon. Von dort aus lassen sich Ausflüge ins Bago-Gebirge unternehmen. Hier gibt es noch wilde Elefanten und sogar Tiger. Zumindest las ich vor längerer Zeit in der New Light of Myanmar, dass Wilderer hier einen solchen erlegt hätten und streng bestraft wurden. Wir verließen die Lodge nach dem Lunch und fuhren nach Toungoo.

Thandaungkyi

Toungoo ist die Keimzelle des zweiten burmesischen Großreiches (16.–18. Jahrhundert). Die Könige von Toungoo verlegten ihre Hauptstadt erst nach Bago (Pegu) und später nach Ava (Inwa). Die gewaltige Palastanlage erinnert an die vergangene Größe. Wir wohnten im Myanmar Ahla (Myanmar Beauty Hotel). Das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Demnächst wird ein großer Neubau eröffnet. Man rechnet offenbar mit einem kräftigen Zuwachs des Tourismus – auch in dieser eher abgelegenen Gegend. Für uns war die Stadt die Basis für einen Ausflug nach Thaundaungkyi. Nachdem man die staubige Ebene verlassen hat, erreicht man eine wunderschöne, grüne Bergwelt. Wie schon oben ausgeführt, die grünste von allen! Hier beginnt der Karen-Staat. Dort leben sehr viele Christen und für die ist Thandaungkyi ein wichtiges Pilgerzentrum. Auf einer Bergspitze erhebt sich das ‚größte christliche Kreuz Myanmars‘. Es ist aus Stahl und aufgrund seiner guten Beleuchtung auch nachts weithin sichtbar. Dort oben trafen wir viele nette Leute! Wir kehrten nach Toungoo zurück und dort trennten sich unsere Weg: Tobias, Htet Htet, Martin und Bee fuhren nach Yangon und wir nach Bagan und dann weiter nach Mogok (siehe vorherigen Blogeintrag: „RUBY LAND – Ein Ausflug nach Mogok„).

Axel Bruns

EINE REISE IN MYANMARS TIEFEN SÜDEN

Wir legten die gesamte Strecke von Yangon nach Myeik/Mergui überland zurück. Den ersten Abschnitt (Yangon – Ye) mit dem (sehr preiswerten) public bus. Die Fahrt dauerte ca. 11 Stunden. Es gibt nicht viel zu sehen in Ye, einer verschlafenen kleinen Stadt. Wir wohnten im Star Light Guest House. Dessen Besitzer, ein US-Amerikaner und seine burmesische Frau haben vor kurzem ein Resort in der Nähe der Stadt eröffnet. Vermutlich das beste Hotel in der Gegend. Besonders gut gefiel uns der Sasana-2500-Tempel, der romantisch in einem See gelegen ist. Im Tempel eine schöne Darstellung der 16 Träume des Königs von Koshala. Sie stellen eine sehr wichtige Richtschnur für gläubige Buddhisten dar. Der König war ein persönlicher Freund des Gautama Buddha. Er hatte 16 merkwürdige, apokalyptische Träume, die ihm keiner erklären konnte. Daher bat er den Buddha, das zu tun, und der folgte der Bitte. Am besten gefiel uns Traum Nr. 6: Der König träumte von einem räudigen Köter, der in ein Gefäß aus purem Gold pinkelte (siehe linke Seite des Bildes). Die Bewohner des Dorfes sahen dem erbärmlichen Schauspiel teilnahmslos zu. In anderen Darstellungen sieht man die Dörfler sogar weitere goldene Gefäße herbeibringen, auf dass der Köter auch diese vollpinkle. Die Erklärung findet sich auf der rechten Seite: Ein anständiges junges burmesisches Mädchen sitzt zusammen mit einem jungen Mann auf einem Sofa. Der Bursche trägt einen echt grellen lilafarbenen Anzug. Er hat seinen Arm in besitzergreifender Manier um ihre Schulter gelegt. Sicherlich nicht der Typ Mann, den sich burmesische Eltern als Schwiegersohn wünschen. Wie auch immer, wir fanden ihn sympathischer als die eher langweilige Familie des Mädchens. Vater und Mutter sitzen auf dem Sofa und der Vater packt ein Geschenk (?) aus. Ihrem Gesichtsausdruck nach sind sie nicht besonders glücklich. Frage: Was steckt dahinter? Antwort: Der räudige Hund repräsentiert den zukünftigen Schwiegersohn. Der ist natürlich ein ‘Foreigner’, wie man an seinem Gesicht und der Haarfarbe unschwer erkennen kann. Höchstwahrscheinlich sind die Eltern gezwungen (finanzielle Gründe?), ihre Tochter diesem nichtsnutzigen Ausländer zu überlassen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er das Mädchen total versauen wird und es somit für sein Volk verloren ist. Und die Moral von der Geschicht‘? Wenn es so weit kommt, dass die Burmesen ihre Töchter mit Ausländern verheiraten müssen, ist das Ende der Welt nicht mehr fern. Der Ami und ich sollten uns was schämen! Man könnte fast glauben, dass die Burmesen Rassisten sind …

Wir mieteten uns in Ye ein Auto, mit dem wir nach Dawei fuhren. Unterwegs schauten wir uns die berühmte Dawei Special Economic Zone (SEZ) an. Wenn man den Gerüchten glauben darf, wird hier eines der bedeutendsten Hafenprojekte Südostasiens entstehen. Das ist zumindest der Plan. Ein Kohlekraftwerk (Tanintharyi verfügt über bedeutende Vorkommen) soll die nötige Energie für den zukünftigen Welthafen liefern. Singapur, nimm dich in Acht! Was wir sahen, nahm sich doch eine Spur bescheidener aus: Nahe dem wunderschönen Nabulay Beach (siehe Foto) nahe dem Dorf Yaw Min Gyi rosteten ein paar Bagger still vor sich hin. In der Nähe noch ein paar anscheinend verlassene Häuser. In einem davon kann man die großen Ambitionen der Burmesen und ihrer thailändischen Geschäftspartner besichtigen. Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt, denn es wäre schade um die schönen Strände von Dawei. An der Küste reiht sich ein Traumstrand an den nächsten. Offenbar ist das Paradise Resort (definitive kein Luxus!) am Paradise Beach bisher das Einzige, das Gäste beherbergen kann. Obwohl die Fahrt von Dawei dorthin sehr mühsam ist und drei Stunden dauert. In Dawei wohnten wir im Hotel Dawei. Überraschend guter Standard für diese abgelegene Gegend. Selbst ein Swimming Pool fehlt nicht. Nur das Frühstück könnte besser sein.

Myeik

Von Dawei fuhren wir mit einem Sammeltaxi nach Myeik. Unsere Freundin Kyawt Kyawt erwartete uns am Busbahnhof. Sie ist dort geboren und betreibt ein Reisebüro. Sie hatte für uns Zimmer in dem ausgezeichneten Green Eye Hotel gebucht. Von dort bietet sich ein toller Blick auf die Altstadt, den Hafen der Stadt und die Insel Pahtaw Pahtet mit dem großen liegenden Buddha. Das (verbesserungsfähige) Frühstück wird auf der Dachterrasse serviert. Auf dem Night Market werden in vielen Restaurants sehr gute Meeresfrüchte serviert. Auch unser Lieblingsplatz, das Mergui de Kitchen (in einer alten kolonialen Villa), bietet gute Küche.

Myeik (früherer Name: Mergui, ausgesprochen etwa wie ‚Behk‘) ist die größte Stadt in der Provinz Tanintharyi. Ein paar Meilen nördlich davon liegt der Port Dockyard. Dort werden nach traditioneller Weise hölzerne Schiff gebaut und repariert. Definitiv einen Besuch wert! Die Stadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Über Jahrhunderte sind Menschen aus ganz Asien dorthin gekommen, um zu handeln und Geschäfte zu machen.

Es gibt dort eine alteingesessene chinesische Community (genannt ‘Baba’), Nachkömmlinge chinesischer Händler, die einheimische Frauen geheiratet haben. Während unseres Aufenthaltes sahen wir etliche ‘Drachentänzer’ (chinesisches Neujahrsfest!). Die malaiischen Bewohner der Stadt (‘Pashu’ genannt) haben ebenfalls Teile ihre Kultur erhalten können.

Trotz etlicher Großfeuer in den letzten Jahrzehnten hat Myeik noch eine Menge kolonialer Architektur zu bieten (siehe Foto). Vor allem in der Nachbarschaft der Palae Road. Diese Häuser sind mehr als hundert Jahre alt und man kann nur hoffen, dass sie für kommende Generationen erhalten werden. Wir sahen viele chinesische ‘Shop Houses’ (im Erdgeschoss das Geschäft, in den Räumen darüber Wohnung). Selbst ein schöner Badebrunnen aus der alten Zeit ist dort noch zu bewundern. Wahrhaftig, ein Spaziergang in die Vergangenheit!

 

Eine gute Einführung in die turbulente Geschichte der Stadt bietet das Buch Siamese White von Maurice Collis. Samuel White machte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Golf von Bengalen als Freibeuter unsicher. Sehr zum Unwillen der British East India Company, die mehrfach versuchte, ihm das Handwerk zu legen. Nebenberuflich war er noch als Hafenmeister für den König von Siam (der damals die Stadt beherrschte) tätig. Wodurch er sehr reich wurde. Nach einem aufregenden Leben, in dem er mehrfach dem Tod nur knapp von der Schippe sprang, zog er sich nach England zurück, um dort das Leben eines Gentleman zu führen. Der er allerdings nie gewesen war. In ‘ausgleichender Gerechtigkeit’ (?) blieb ihm nicht viel Zeit, die Früchte seiner Übeltaten zu genießen. Er starb im ersten Jahr nach seiner Rückkehr in die alte Heimat. Vermutlich war es ihm zu kalt dort.

Ein Ausflug auf dem Tanintharyi River

Der Tanintharyi River fließt von der Bilauktaung Range (die Myanmar von Thailand trennt) bis hinunter nach Myeik, der größten Stadt in der Tanintharyi Region (früher: Provinz). Die Region ist nach der gleichnamigen Stadt benannt. Von Myeik sind es etwa zwei Stunden mit dem Auto bis Tanintharyi. Wir nahmen allerdings die Fähre von Myeik nach Pa Wa, das etwa drei Stunden stromaufwärts von Myeik auf dem Ostufer des Flusses liegt. Auf der Fähre finden mehr als hundert Passagiere auf harten Holzbänken Platz. In Pa Wa überquerten wir den Fluss und fuhren mit einem sehr kleinen, wackligen Boot zum Dorf Maw Ton. Dort berührt die Hauptstraße Myeik-Dawei den Fluss und von Maw Ton ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Tanintharyi (siehe Foto des Piers oben). Abenteuerlustige können auf dieser Straße bis nach Kawthaung, der südlichsten Stadt Myanmar, weiterfahren. Die Straße von Myeik nach Tanintharyi ist gut, die nach Kawthaung soll nicht viel schlechter sein, wie unser Fahrer sagte.

Tanintharyi

Wohl keiner, der dieses verschlafene Städtchen heute besucht, würde darauf kommen, dass es einst ein wichtiges internationales Handelszentrum auf der Überlandroute von Myeik nach Siam (Thailand) war. Vor dem Zeitalter der Dampfschifffahrt versuchten die Segelschiffe, den langen und gefährlichen Weg um die ganze malaiische Halbinsel zu vermeiden. Dort lauerten Stürme und Piraten. Das war natürlich lange vor der Gründung Singapurs. Obwohl die Straße von Malakka noch heute von Piraten unsicher gemacht wird … Daher suchten die Seefahrer und Händler nach einer Alternative. Und so wurde die Überlandroute von Myeik nach Siam begründet. Die Schiffe fuhren den Tanintharyi River hinauf und entluden ihre Güter in der Stadt. Dort wurden sie auf Karawanen von Elefanten und Pferden umgeladen, die in sieben Tagen über die Berge nach Siam zogen. Maurice Collis beschrieb die Reise in seinem Buch (s.o.). Auch in Axel Aylwen’s Trilogie The Falcon of Siam, die das Leben von Constantine Phaulkon beschreibt, wird die Strecke erwähnt. Phaulkon war ein griechischer Abenteurer, der es bis zum Minister unter dem siamesischen König Narai brachte. Es sei nur am Rande erwähnt, dass er auch gut Freund mit White war … Heute ist Tanintharyi ein verschlafenes Nest mit schönen alten Holzhäusern und einem interessanten Markt. Der Pier scheint etwas verlassen, dort legen nicht mehr viele Schiffe an. Am Stadtrand gibt es ein Hotel mit recht akzeptablen Zimmern.

Mit dem Speedboat durch den Mergui-Archipel

In Myeik buchten wir bei Aqua Wings (direkt am Pier) eine Tour in die legendäre Inselwelt des Archipels. Inkludiert waren: Schwimmen in Smart Island und der Besuch eines Wasserfalls auf einer anderen Insel. Darüber hinaus wurde noch ein Dorf der Seezigeuner (Moken) besucht und ein bisschen geschnorchelt. Preis 80 $ (foreigners)! Wir fuhren mehr als eine Stunde durch den Mangrovengürtel vor der Stadt, bis wir das offene Meer erreichten. Unser erster Stopp war in Smart Island, das von Weitem aussah wie in Südseeparadies. Nachdem wir ausgebootet hatten (es waren nur drei Ausländer an Bord, der Rest Einheimische), sahen wir allerdings, dass der Strand stark verschmutzt war. Plastikmüll, Flaschen, Getränkedosen usw. verschandelten den Strand. Wir wanderten über die kleine Insel zu einem anderen ‘schöneren’ Strand – der allerdings noch schlimmer aussah. Auf der Insel leben ein paar Aufseher, die offenbar Besseres zu tun haben, als den Strand zu säubern und das Baden dort zu einem Vergnügen zu machen. Der Besuch des Moken-Dorfes war ziemlich deprimierend (dort trafen wir nur Kinder und alte Leute) und der Wasserfall muss wohl einer der kleinsten Südostasiens sein … Den Schnorchel-Ausflug jedoch sollte man nicht verpassen! Wir sahen weder Fische noch Korallen, sondern nur die blaue Tiefe. Obwohl: Es muss Korallen in der Nähe geben, denn einer der Bootsleute verschenkte ein frisch abgebrochenes Exemplar an ein junges Mädchen, das ihm gefiel. Der wahre Spaß jedoch war, den Burmesen zuzuschauen: Sie trugen Schwimmwesten und schwammen auf einem Rettungsring (doppelt genäht hält besser!) und blickten durch ihre Taucherbrillen in die blaue Tiefe. Absolut NICHT EMPFEHLENSWERT!!

Von Myeik gibt es täglich Flüge nach Yangon. So legten wir den Rückweg in eineinhalb Stunden zurück!

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RUBY LAND – Ein Ausflug nach Mogok

Mogok ist eine Stadt mit ca. 150.000 Einwohnern. Ihre Bewohner sind eine bunte Mischung aus ethnischen Burmesen (Bamar), Shan, Lisu, Palaung und Karen. Wie in vielen anderen Hill Stations des Landes, haben sich dort auch zahlreiche Inder und Gurkhas (Nepali) niedergelassen. Daneben gibt es etliche Chinesen. Die Stadt wurde vor ca. 800 Jahren begründet (schon in der Bronzezeit wurden in der Gegend Rubine abgebaut). Sie war erheblich attraktiver, als wir es erwartet hatten. Es gibt noch viel Holzarchitektur zu bewundern. Im Zentrum der Stadt liegt ein See, den man in einer halben Stunde gemütlich umrunden kann. Mogok liegt im Shan-Hochland, gehört aber verwaltungsmäßig seit der Unabhängigkeit des Landes zur Mandalay Division (neuerdings: Region). Ebenso wie übrigens die ehemalige Hill Station Maymyo (heute Pyin Oo Lwin) der Briten. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Burmesen wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und sich auf jeden Fall die Kontrolle über diese beiden wichtigen Regionen sichern – komme, was da wolle … Mogok liegt in einem großen Tal und ist berühmt für seine Edelsteine. Ihre taubenblutroten Rubine gelten als die besten der Welt. Auch die Saphire aus Mogok haben einen Ruf wie Donnerhall. Für den Ausflug nach Mogok benötigen ausländische Touristen ein Permit, das wir gern für Sie besorgen. Der Besuch ist nur im Rahmen einer Package Tour möglich, die Mitnahme eines einheimischen Reiseleiters ist Pflicht. Die Fahrt von Mandalay nach Mogok dauert ca. 6 Stunden. Hier der Bericht über unsere Reise im April 2019: Wir verließen Mandalay um 11.30 Uhr und legten nach 86 km (14 Uhr) im Dorf Let Pan Hla einen Lunchstopp im recht guten Panngabar Restaurant ein. Von dort ist es nicht mehr weit zum Checkpost in Wa Phyu Taung, wo sich die Straße gabelt: In östlicher Richtung rechts geht’s nach Mogok, in nördlicher Richtung Ayeyarwady-Tal. Dort werden die Dokumente geprüft und zwei Stunden später erreichten wir Kyatpyin, das Tor zum Ruby Land (siehe Foto). Es gibt noch einen anderen Weg nach Mogok, nämlich von Pyin Oo Lwin aus, aber der ist für Ausländer gesperrt.

Von dort ist es noch eine halbe Stunde nach Mogok. Wir machten jedoch einen kurzen Abstecher zur Kyat Pin Kyauk That Pagode (siehe Foto), die spektakulär zwischen riesigen Granitblöcken, ähnlich wie am Goldenen Felsen (Wollsackverwitterung) liegt. Von dort bietet sich ein schöner Blick über das Land. Wir erreichten Mogok gegen Abend und fuhren zu unserer Unterkunft, dem Mogok Hill Hotel, einem der wenigen, das Ausländer aufnehmen darf. Nichts Spektakuläres, aber o.k. Es gibt noch ein weiteres gutes Hotel, das Golden Butterfly. Es liegt allerdings so weit von der Downtown entfernt, dass man ohne Auto aufgeschmissen ist …

Von der Terrasse des Mogok Hill Hotels bietet sich ein toller Blick auf die Stadt und die Tempel im Süden jenseits des Sees: Vor allem die Phaung Daw Oo und die (Ruby) Pagoda (Sunset Pagoda) stechen hervor. Vor allem in der Nacht – so lange die Tempel hell beleuchtet sind: Ein Bild wie aus dem Märchenbuch, wenn sich auch bei näherer Betrachtung einiges relativiert.

Aktivitäten: Nun, was tut man in Mogok? Natürlich nach Edelsteinen schauen! Es gibt zwei Edelstein-Märkte: einen, der am Morgen stattfindet und einen, der am Nachmittag stattfindet. Auf Letzterem sollen angeblich die großen Deals laufen, Ersterer ist nur für die kleinen Fische. So sagte man uns jedenfalls. Unter den Händlern auf dem Morgenmarkt waren viele Inder, Nepali und Lisu. Darunter viele hübsche Mädchen, die sich gern fotografieren lassen. Wie nebenstehendes Foto beweist! Wer mag, kann ihnen schon für kleines Geld ein paar schöne Steine abkaufen. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass es erhebliche Qualitätsunterschiede gibt – um es mal freundlich auszudrücken. Eine ganze Handvoll echter Rubine kann man für zehn Dollar kaufen! Aber Spaß macht es doch! Wer sich nicht für Steine interessiert, kann einen Rundgang um den See machen.

Am frühen Nachmittag dann der Höhepunkt: Besuch einer Rubin-Mine! Der Abbau der Edelsteine ist sehr mühsam. Die Schächte reichen bis zu 300 Meter in die Erde hinab. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter – so vorhanden – sind fast schon lächerlich zu nennen. Schlimme Unfälle sind an der Tagesordnung. Das abgebaute rubinhöffige Gestein (Kalzit) wird unter Tage in Loren gefüllt. Die werden mittels einer primitiven Seilwinde nach oben gezogen. Von dort geht es in große Gesteinsmühlen. Das zerkleinerte Material wird in eine primitive Waschanlage geschwemmt, wo viele fleißige Hände und Augen die faustgroßen Steine nach Rubinen durchsuchen. Oft werden sie fündig. Wenn auch die Chance, einen Rubin wie den berühmten Sunrise Ruby mit seinen mehr als 25 Karat zu finden, verschwindend gering ist. Der Stein erzielte auf einer Auktion einen Preis von knapp 30 Millionen US Dollar. Das Ganze läuft unter strikter Überwachung durch die Regierung ab. Wie uns der Inhaber einer Mine anvertraute, gelangt trotzdem etwa die Hälfte der Steine außer Landes, ohne dass die Behörden davon erfahren. Wird ein besonders wertvoller Stein gefunden, informiert der Besitzer der Mine seine besten (in der Regel chinesischen) Kunden. Der Verkauf läuft mit großer Diskretion ab.

Nichtsdestoweniger nimmt die Regierung durch den Verkauf von Edelsteinen (Rubine und Saphire) auf der jährlichen Edelsteinbörsen in der Hauptstadt Naypyitaw Millionen von Dollars ein. Am Nachmittag besuchten wir noch den Profi-Markt, der aber weniger interessant war als der Morgenmarkt – zumindest für uns Amateure. Zum Sonnenuntergang ging es auf die Ruby Pagoda, anschließend in die Phaung Daw Oo Pagode. Kulinarisch gesehen gehört Mogok sicher nicht zu den besten Destinationen im Lande. Wir aßen Dinner im Agaung Kyaik-Restaurant. Es war wohlschmeckend und preiswert. Auch auf dem unmittelbar davor gelegenen Night Market kann man gut essen. Nach einem nochmaligen Besuch des Morgenmarktes machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Azure Sky bietet diese Tour wie folgt an:

Dauer: drei Tage, zwei Nächte, ab/bis zu Ihrem Hotel in Mandalay, Besuch des Tals von Mogok incl. Edelsteinmärkte und der Pagode in Kyat Pin.

Transport: im klimatisierten PKW

Guide: durchgehende Begleitung durch englischsprachigen Guide

Übernachtungen: zwei, im Mogok Hill Hotel

Verpflegung: Frühstück

Permit: im Preis inkludiert, wird von uns arrangiert, Bearbeitungsdauer ca. zwei Wochen. Dazu benötigen wir Ihren Passport Scan.

Preise: ein zahlender Teilnehmer = 717 USD, zwei zahlende Teilnehmer = 386 USD p.P.