Höhepunkte Myanmars

Begegnungen mit Stämmen

Unter den mehr als 120 ethnischen Gruppen, die in Myanmar leben, gibt es große Unterschiede.
Unter den Stämmen des Landes sind die Padaung, die sich selbst Kayannennen, sicher der bekannteste: ihre Giraffen-Frauen genannten weiblichen Mitglieder tragen einen sehr extravaganten Halsschmuck, der sie in der ganzen Welt bekannt gemacht hat.
Besuchen Sie mit uns die Kayan in ihren Dörfern und nicht in den Menschenzoos am Inle-See oder in Thailand!
Der Westen des Landes bietet große ethnische Vielfalt. Die sprachlich ebenfalls stark zersplitterten Chin haben dort ihren eigenen Teilstaat. Chin-Dörfer können bei einem Ausflug (in der Regel von Bagan aus) zum dreitausend Meter hohen Berg Natmataung (früher Mt. Victoria) besucht werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, von Mrauk U aus einen Abstecher zu den Chin zu machen.
Die nördlichen Nachbarn der Chin sind die Naga, ein großes Volk, das auch im benachbarten Indien siedelt.

In der Umgebung des Inle-Sees sind vor allem die Intha anzutreffen, die ihre aquatische Heimat, den See, in ein kleines Paradies verwandelt haben. In den umliegenden Bergen wohnen viele Pa-O, Angehörige eines sehr großen Stammes, deren Frauen überwiegend Tracht tragen.
Daneben siedeln rings um den See die Völker der Taung Yoe, Danu, die schon erwähnten Palaung und andere. Zu nennen wären noch die  Stämme Lisu, Akha, der Palaung, der Lahu Na, der En und Loi Wa und die verschiedenen Kachin-Völker.

Trekking

Ein guter Weg, um Stammesangehörige zu treffen, sind sicher Trekking-Touren. Natürlich kann man sie auch auf den zahlreichen Märkten z. B. des Shan-Staates, treffen aber interessanter ist sicher der Besuch in den Dörfern, wo man sozusagen noch das ‚unverfälschte Leben‘ antrifft. Die oben erwähnten Orten sind die Ausgangspunkte für Trekking-Touren. Wir raten auf jeden Fall dazu, sich bei einer Trekking-Tour einem Guide anzuvertrauen. Diese beherrschen in der Regel auch die wichtigsten Phrasen der Sprache der Stämme. Außerdem sind sie dort bekannt und werden freundlich aufgenommen, worauf man als Fremder nicht unbedingt rechnen sollte. Guides kennen auch die interessanten Plätze und die besten Wege. Also: nie ohne Guide trekken!

Fahrrad- und Motorrad-Touren

Radtouren: sind in den letzten Jahren zu- nehmend populär geworden. Gemeinhin gelten höher gelegene Destinationen wie z. B. der Inle-See oder Pyin Oo Lwin wegen der kühleren Temperaturen als am besten geeignet. In der Regel reichen die von den lokalen Vermietern angebotenen Räder aus. Auch Mountain-Bikes sind im Angebot und in Bagan werden E-Bikes zunehmend populärer.
Motorräder: können in den großen Touristendestinationen wie Mandalay, Bagan oder am Inle-See gemietet werden. Generell ist die rechtliche Lage nicht klar: eigentlich ist für Ausländer das Motorradfahren vermutlich grundsätzlich verboten. Aber das trifft in Myanmar auf viele Dinge zu, die dort getan werden. Unerlässlich ist auf jeden Fall ein internationaler Führerschein.

Ballonfahrten

Ballonfahrten werden in in Myanmar immer populärer! Gab es früher nur eine Firma, die Ballonfahrten in Bagan anbot, teilen sich heute mehrere Firmen diesen lukrativen Markt. Neben den altbewährten Fahrten über Bagan werden heute auch Fahrten über Mandalay, dem Inle-See und sogar am Strand angeboten. Die Ballonfahrt über Bagan jedoch legen wir unseren Kunden wärmstens ans Herz! Die Ballons schweben über die von Tempeln übersäte Ebene von Bagan – ein unvergessliches Erlebnis! Der Preis ist relativ hoch (rechnen Sie um die 300 US$ pro Person) und die Warteliste ist lang. Die Dauer und die Länge der Fahrt hängen sehr stark von den Windverhältnissen ab.

Bahnfahrten

Myanmar verfügt über ein relativ gut ausgebautes (nicht elektrifiziertes) Eisenbahnnetz von fast 5.000 km Länge, in dem mehr als 500 Bahnhöfe angefahren werden.
Bis zum heutigen Tag ist die Bahn das wichtigste Transportmittel für Güter und Passagiere!
Die Hauptstrecke ist Yangon-Mandalay, dort sind viele Expresszüge unterwegs. Das sollte allerdings nicht missverstanden werden: burmesische Expresszüge ähneln mehr unseren alten D-Zügen seligen Angedenkes.
Neben der o.g. Hauptstrecke sind für Touristen noch die Strecken von Thazi (südlich von Mandalay) nach Shwenyaung (Inle-See) und die von Yangon nach Mawlamyaing interessant, die vor kurzem bis Dawei verlängert wurde.

Sehr beliebt ist auch die Fahrt über das berühmte Gokteik-Viadukt im Nördlichen Shan-Staat. Wer viel Muße hat, kann in Mandalay einsteigen und dann bis Lashio fahren.

Flusskreuzfahrten

Die Flüsse Myanmars sind traditionell seine Hauptverkehrsadern, wenn auch heute mehr und mehr Transporte auf den Straßen erfolgen. Aber noch werden mehr Güter auf den Flüssen befördert als auf der Straße! Inzwischen gibt es auf den großen Flüssen des Landes, vor allem natürlich dem Ayeyarwady, eine ganze Flotte von Touristenschiffen: es ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Von der luxuriösen Road to Mandalay über die Schiffe der Paukan-Flotte und kleinerer Schiffe, komfortabler Schiffe wie unserer M.S. Hintha (s.links.), bis hin zu Flussfähren ist alles vertreten. Die meisten Flussfahrten in Myanmar gehen von Mandalay nach Bagan oder umgekehrt. Nur in der ‚Green Season’ (Juni bis October) können die größeren Schiffe flussaufwärts nördlich von Mandalay fahren. Unser eigenes Boot, die M.S. Hintha (www.baganflotilla.com), hat nur 4 Kabinen und ist damit ideal geeignet für Familien und Kleingruppen.

Im Gegensatz zu anderen Schiffen konzentrieren wir uns auf das Ayeyarwady-Delta. Wir finden es erstaunlich (und erfreulich!), dass es trotz seiner Nähe zu Yangon immer noch im Dornröschenschlaf liegt. Hier ist noch das ursprüngliche Myanmar zu sehen, in dem Touristen eine Seltenheit sind. Hätten Sie gedacht, dass es dort die mächtigen Leistenkrokodile gibt? Entdecken Sie mit uns das Delta (Weiteres siehe unten)! Wir bieten sowohl drei- bzw. viertägige Touren mit Übernachtung an Bord als auch Chartertouren an. Unser Schiff kann auch für Fahrten auf dem Yangon River gemietet werden.

Das Ayeyarwady-Delta

Der Ayeyarwady beginnt sich bei der Stadt Henzada, ca. 200 km von der Andamanensee entfernt, in insgesamt sieben Mündungsarme zu teilen. Der östlichste von ihnen ist der Yangon River (an dem auch die gleichnamige Stadt liegt), der westlichste der Pathein River, die ebenfalls ca. 200 km voneinander entfernt liegen.

Das Flussdelta schiebt sich jedes Jahr sechzig(!) Meter ins Meer hinaus. Es ist die Reiskammer des Landes und gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen des Landes.Das Delta bietet eine faszinierende Mischung von Kultur- und Naturlandschaft, gewaltige Flüsse und verschlungene Wasserwege, die von Mangroven und Nipapalmen bewachsen sind. Verträumte Siedlungen, die durch Wasserbusse miteinander verbunden sind, säumen die Ufer der Flüsse und Kanäle, die das Delta durchziehen.

Im Rahmen unserer Hilfsaktion (s. unter „Über uns“) lernten wir die Schönheit des Deltas – aber auch seine Probleme – aus erster Hand kennen. Und seitdem bieten wir unseren Kunden Ausflüge ins Delta an.

Vergessene Reiche (Arakan)

Dieser selten besuchte Gliedstaat der Union liegt im Westen des Landes und besteht im wesentlichen aus einem schmalen, fruchtbaren Küstenstreifen, der sich vom Naaf River (der Grenze zu Bangladesh) bis weit hinab in das Ayeyarwady-Delta zieht. Das unwegsame Arakangebirge trennt es vom burmesischen Kernland. Zufolge der Volkszählung von 2014 hat der Staat ca. 3.2 Mio. Einwohner, die sich auf eine Fläche von knapp 37.000 qkm verteilen. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört zur tibeto-burmanischen Rakhine-Ethnie, die dem Buddhismus anhängt. Daneben gibt es eine große Minderheit von Muslimen bengalischer Herkunft, die z. T. schon sehr lange dort leben (Eigenbezeichnung Rohingyas), z. T. jedoch erst in jüngster Zeit eingewandert sind. Viele dieser Muslime wurden während der Volkszählung nicht erfasst, daher ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Bevölkerungszahl höher ist. Die meisten Menschen leben im Norden des Staates, vor allem in der Umgebung der Landeshauptstadt Sittwe bis hinauf zur Grenze von Bangladesh. Dort liegen auch die Hauptsehenswürdigkeiten des Landes, allen voran die alte Hauptstadt Mrauk U und ihre Umgebung. Daneben verfügt Arakan über einige der schönsten Strände Myanmars.
Die Randlage hat die Entstehung einer eigenen Kultur begünstigt, die sich in vielen Bereichen von der burmesischen unterscheidet, obwohl die Arakanesen derselben ethnischen Gruppe angehören. Ihre Sprache ist im wesentlichen ein Dialekt des Burmesischen. Sowohl der alte Name Arakan als auch der heute gebräuchliche Name Rakhine gehen vermutlich auf dieselbe Wurzel zurück: beide bedeuten mit großer Wahrscheinlichkeit Land der Dämonen (Rakshas). Diesen Namen erhielt es wahrscheinlich von den ersten Siedlern aus Indien, die dort Völker trafen, die auf der Kulturstufe der Jäger und Sammler verharrten. Wahrscheinlich waren es Chin und Negritos. Erstere haben heute ihren eigenen Staat innerhalb der Union und von letzteren leben Restvölker noch heute auf den Andamanen und in anderen abgelegenen Gebieten. Die Ureinwohner wurden von den Neuankömmlingen als Dämonen betrachtet. Wir dürfen annehmen, dass sie den überall in Myanmar anzutreffenden Bilus-Statuen (Menschenfresser), die heute überwiegend als Schutzgeister fungieren, als Vorbild gedient haben. Die Kultur des Landes war sehr lange indisch geprägt: wir unterscheiden die jeweils nach ihren Hauptstädten benannten Dhanyawati-Periode (4. Jhdt. B.C. bis 6. Jhdt. A.D. und die Vesali-Periode (6. bis 8. Jhdt. A.D.).
Seit dem 9. Jhdt. A.D. begannen tibeto-burmanische Stämme in das Gebiet einzuwandern. Sie unterwarfen die lokale Bevölkerung und begründeten einige Stadtstaaten. Während der Bagan-Zeit (11. bis 13. Jhdt. A.D.) war das Gebiet den burmesischen Königen tributpflichtig. Nach dem Niedergang des Bagan-Reiches entwickelte sich im frühen 15. Jhdt. die Stadt Mrauk U zur führenden Macht des Gebietes und beherrschte es bis zum Ende des 18. Jhdts. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 16. und 17. Jhdt. kontrollierten seine Könige teilweise den gesamten Küstenstreifen von Kap Negrais im Süden bis hinauf nach Chittagong im Norden.

Basis ihrer Macht waren die fruchtbaren, gut bewässerten Reisanbaugebiete des Kaladan und seiner Nebenflüsse (Reis ist bis heute das wichtigste Standbein der Wirtschaft des Landes) sowie die Kontrolle der Seewege von Indien nach Osten. Im 17. Jhdt. begann der Niedergang des Reiches und 1784 wurde Mrauk U von den Burmesen erobert. Die konnten sich ihrer Beute jedoch nicht allzu lange erfreuen, denn bereits vierzig Jahre später, nach dem 1. Anglo-Burmesischen Krieg, wurde das Gebiet von Großbritannien annektiert und blieb für mehr als hundert Jahre unter britischer Kontrolle.

Während des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet zwischen Engländern und Japanern stark umkämpft. Zusammen mit dem Kernland der Union wurde Arakan 1948 als Teilstaat der Union von Birma unabhängig, obwohl sich nicht wenige Arakanesen die Unabhängigkeit gewünscht hätten.

Die zahlreichen Muslime, die vor allem im Norden des Gebietes wohnen, wünschten sich dagegen eher den Anschluss an das damalige Ostpakistan, da sie in einem buddhistisch dominierten Staat für sich keine Zukunft sahen.
Die Entdeckung ausgedehnter Erdgasfelder vor der Küste von Rakhine hat einst verschlafene Landesteile (so Kyaukphyu Island) in geschäftigen Zentren verwandelt. Von hier führt eine Doppelpipeline bis nach China. Ohnehin ist das nördliche Nachbarland in diesem Gebiet sehr stark engagiert, was in Myanmar zu einiger Besorgnis (wirtschaftliche Dominierung!) geführt hat. Die Entwicklung einer SEZ (Special Economic Zone), die vorwiegend chinesischen Interessen dient, hat auch im benachbarten Indien Befürchtungen geweckt, dass sich China am Golf von Bengalen eine Flottenbasis schaffen will, was indischen Interessen zuwiderlaufen würde.

Literatur: Pamela Gutman: Lost Kingdoms of Burma, eine sehr gute Einführung in die Geschichte und Kunst von Arakan sowie Maurice Collins: Land of the Great Image, eine Abenteuergeschichte, die den Leser in das Mrauk U des 17. Jahrhunderts führt… Die Chance war Null von Rolf Magener beschreibt die faszinierende Geschichte einer Flucht von zwei deutschen Kriegsgefangenen, die sie von Dehra Dun (Indien) bis nach Japan führte und ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit ihren Erlebnissen in Arakan.

Myanmars Festivals

Die Menschen in Myanmar feiern gern und viel. Das bedeutendste Fest ist das Wasserfest (Buddhistisches Neujahr), das jedes Jahr Mitte April stattfindet. Offiziell dauert es zwar nur fünf Tage (vom 13. bis 17. sind alle Läden geschlossen), aber da man schon mal dabei ist, feiert man zumindest in den Büros und Behörden gleich noch die ganze Woche durch – und so werden aus fünf Tagen dann elf!

Auch sonst lässt man hierzulande ungern eine Gelegenheit zum Feiern aus! Ich entsinne mich an ein Jahr, in dem wir nicht weniger als sechsmal Neujahr feierten: Karen-Neujahr, Moslem-Neujahr, Chinese New Year, Wasserfest, und dann gleich noch mal Karen- und Moslem-Neujahr (Mondkalender).

Das ist aber bei weitem nicht alles: die Minoritäten wie Moslems und Hindus feiern natürlich auch ihre religiösen Feste und schließen dann ihre Läden, genau wie die Chinesen. Der 1. Januar ist zwar kein offizieller Feiertag, aber dann ist es ja nur noch drei Tage bis zum Independence Day. Im Grunde genommen sind auch die Mondphasen (Vollmond, Halbmonde, Neumond Feiertage (Upo), an denen z. B. Schulen und Märkte geschlossen sind – aber die Tage werden dann wenigstens nachgeholt! Weitere Feiertage sind Army Day, Farmer’s Day und Martyr’s Day, um nur ein paar zu nennen. Das hat dazu geführt, dass wir uns schon überlegt haben, einen Kalender anzulegen, an denen nur die Tage genannt werden, die keine Feiertage sind…

Spaß beiseite, in Myanmar sollte man unbedingt darauf achten, ob nicht unvermutet ein Feiertag in die eigenen Planungen hineinfunkt. Das kann unangenehme Folgen haben, wenn man z. B. einen Behördentermin oder Botschaftstermin (die Botschaften feiern gern mit…) hat, und dann feststellen muss, dass das Büro geschlossen ist…

(Buddhistisches Neujahr, 13.-17. April) ist das wichtigste Fest des ganzen Jahres. Es wird nicht nur in Myanmar, sondern auch in den buddhistischen Nachbarländern wie Thailand, Laos und Kambodscha gefeiert. Die heiße Zeit geht dem Ende zu, nicht selten fällt zum Wasserfest – wie bestellt – der erste Regen nach langer Zeit. In allen Städten des Landes werden Tribünen (mandap) aufgebaut, auf denen Feiernde mit Wasserschläuchen stehen, die alle Vorbeifahrenden und Vorbeigehenden nassspritzen bis auf die Unterwäsche. Diese erwidern die nassen Grüße aus großen Fässern, die sie an Bord ihrer LKWs mitführen oder aus den allgegenwärtigen Water Guns. Das ganze wird von ohrenbetäubender Diskomusik begleitet und dazu hüpfen junge Mädchen und Frauen auf der Bühne herum.

Das ganze Spektakel ist unbedingt sehenswert, allerdings sollte man darauf achten, seine Kamera wasserdicht zu verpacken. Außerdem werden die Sitten zunehmend rauer, auch Eisbeutel und Rasierschaum kommen zum Einsatz. Viele der Feiernden sind angetrunken und potentiell aggressiv. Selbst die sonst (scheinbar) eher schüchternen burmesischen Mädchen vergessen ihre gute Erziehung. Also Vorsicht! Aber entgehen lassen sollte man sich den ausgelassenen Spaß auf keinen Fall, wenn man zu jener Zeit in Myanmar ist. Das Wasserfest wird in den großen Metropolen wie Yangon und Mandalay am wildesten begangen, aber auch in kleineren Orten will man sich nicht lumpen lassen. Einen LKW mieten, ein paar Freunde einladen, ausreichend Wasser an Bord und gut gerüstet mit Water Guns – und der Spaß kann beginnen…

Jede Pagode im Lande feiert einmal im Jahr ihr Fest. Die der großen unter ihnen (wie Shwedagon, Mahamuni/Mandalay oder in Bagan) haben spektakuläre Ausmaße und ähneln auf den ersten Blick eher einer Kirmes in Deutschland; mit Fahrgeschäfte, Losbuden, Wandertheater, Fress-Stände und Händlern, die alle möglichen Dinge anbieten: Thanaka, die traditionelle Schönheitspaste, Wolldecken aber auch Töpferwaren bis hin zu den riesigen Martaban-Krügen. Allerdings kommt auch der religiöse Hintergrund nicht zu kurz: Mönchsspeisungen und Klosterspenden bereichern das Fest, zu dem die Leute von nah und fern anreisen. Das Shwedagon Pagoda Festival findet im Januar nahe der großen Pagode in Yangon statt, etwa zeitgleich das Ananda Pagoda Festival in Bagan. Im Februar folgt das Mahamuni Pagoda Festival und im November das Shwezigon Pagoda Festival in Bagan – um nur die bedeutendsten zu nennen. Einen Besuch wert sind aber die kleineren Pagodenfeste, wenn man sich gerade zu der Zeit dort aufhält. Hier kann man einen Blick in die burmesische Volksseele werfen.

Ausgesprochen spektakuläre Feste finden in den Monaten Oktober und November statt, in den burmesischen Monaten Thadingyut und Tazaungmon, in denen das erste und das zweite Lichterfest begangen werden.

Das Erste Lichterfest erinnert an die Herabkunft des erleuchteten Buddha Gautama vom Himmel Tavatimsa, wo er während der Regenzeit den Göttern und dessen anderen Bewohnern predigte. Damit der Buddha wieder den Weg auf die Erde fand, wurden überall Lichter angezündet – und das tut man bis heute. Öffentliche Gebäude, Pagoden und auch Privathäuser werden farbenprächtig illuminiert.

Besonders stimmungsvoll ist dieses Fest am Goldenen Felsen im Mon-Staat, wenn das Heiligtum und dessen ganze Plattform von unzähligen Kerzen hell erleuchtet sind und Tausende von Pilgern sich dort drängen.

Das spektakulärste aller Fest dieses Monats findet allerdings am Inle-See statt: das Phaung-Daw-Oo-Bootsfest! Hier treffen sich die Menschen aus dem ganzen Südlichen Shan-Staat, um das mehr als 14-tägige Fest zu feiern.

Auch zahlreiche Touristen wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Zu diesem Anlass werden vier besonders heilige Buddhastatuen aus dem Tempel Phaung Daw Oo, dem spirituellen Zentrum des den See bewohnenden Intha-Volkes, in einer farbenprächtigen Zeremonie von Dorf zu Dorf gerudert.

Die Buddhastatuen stehen auf einer Prunkbarke, die von zahlreichen Beinruderern gerudert wird. Hinter und vor ihr ein Schwarm von Booten, auf denen Tänzer und Musiker die Zuschauer erfreuen. Insgesamt sind es Hunderte von Booten, die hier unterwegs sind.

Leider werden die meisten von ihnen von uralten, qualmenden und stinkenden Dieselmotoren angetrieben, so dass wir schon fast die Mitnahme einer Gasmaske empfehlen würden.

Das schöne Shwekyin-Laternen-Fest im gleichnamigen, leider etwas abgelegenen, Ort in der Provinz Bago lohnt sicher auch einen Besuch, erfordert aber eine längere Anreise. Hier können Ruderwettbewerbe angeschaut werden, abends setzen die Einheimischen ganze Flotten von kleinen Ge-tecken mit Kerzen ins Wasser, die den Fluss hinuntertreiben. Im Monat darauf folgt das Zweite Lichterfest, dessen Ursprünge in die vorbuddhistische Zeit zurückreichen und auf das Kattika-Fest zurückgeht, mit dem die Planetengötter geehrt wurden. Dies hält aber die Gläubigen nicht davon ab, es genauso begeistert zu feiern wie das Erste Lichterfest.

Auf den hell erleuchteten Pagoden finden Wettbewerbe im Robenweben statt, die oft die ganze Nacht durch dauern. Die Frauen des Stadtteils oder des Dorfes wetteifern um die Ehre, die am schnellsten gewebte Robe einer heiligen Buddhastatue umhängen zu dürfen.

Überall im Lande werden zu der Zeit die aus Holz gezimmerten dreieckigen Wunschbäume (padetha-bin) aufgestellt, an denen die Gläubigen Spenden fürs Kloster aufhängen können. Zum Vollmond werden sie dann im Rahmen einer großen Zeremonie zum Kloster gebracht; oder gar eine neue prächtige Buddhastatue für das Kloster – wieder ein paar Extra-Punkte für das Karma-Konto… In diesem Monat finden auch Ballonfeste statt, von denen das in Taunggyi, der Hauptstadt des Südlichen Shan-Staats, sicher das spektakulärste ist.

Im Laufe von zehn Tagen steigen Hunderte von riesigen Heißluftballon auf: tagsüber solche in Tierform, nachts dann die farbenprächtig verzierten anderen.

Unten sind Gondeln mit Feuerwerkskörpern angehängt, und nachdem der Ballon eine bestimmte Höhe erreicht hat, beginnt ein spektakuläres Feuerwerk von den aufsteigenden Ballons. Leider klappt es manchmal nicht so ganz mit der zeitlichen Koordination, sodass mancher Ballon schon am Boden sein Feuerwerk entfaltet.

Daher ist es angebracht, einen gewissen Sicherheitsabstand zu halten beim Taunggyi-Ballonfestival… Ähnliche Feste, wenn auch kleineren Ausmaßes, finden in anderen Städten (z.B. Pyin Oo Lwin oder Kalaw) statt.

Unsere ganz persönlichen Favoriten unter den Festen sind die animistischen Nat- Pwes. Nat ist die burmesische Bezeichnung für eine ganze, schwer zu definierende Schar von Geistern, die das Leben der Menschen beeinflussen können. Es gibt gute und böse Geister und vor letzteren sollte man sich in Acht nehmen!

Und dann sind da noch die ambivalenten Geister, die sowohl Gutes als auch Böses bewirken, und deren Gunst man sich mit Geschenken aller Art sichern kann. Eine wichtige Rolle unter ihnen nehmen die berühmten 37 Nats ein. Sie sind Geister von Menschen, die eines unnatürlichen Todes (z. B. durch Enthauptung, Unfall usw.) gestorben sind, daher keine Ruhe finden und in der Welt der Lebenden umherspuken.

Die Gläubigen können mit diesen Geistern kommunizieren, indem sie sich der Hilfe von Medien bedienen. Diese werden Natkadaw (Geister-Gatte) genannt und können sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechts sein.

Dominierend sind homosexuelle Männer, denn – wie sie sagen – können sie sowohl mit weiblichen als auch mit männlichen Nats kommunizieren. Irgendwie praktisch! In ihren bunten glänzenden Gewändern – in Berlin würde man sie als Fummel-Trinen bezeichnen – sind sie eine wahre Augenweide und wenn sie sich zum Takt der infernalischen Musik bewegen (jeder Nat hat seine eigene Melodie) fallen sie nicht selten in Trance. Oder tun zumindest so. Allerdings haben wir schon des öfteren tatsächlich erlebt, dass Tänzer oder Zuschauer in trance-ähnliche Zustände verfallen. Befeuert auch durch viel Alkohol.

Natpwes sind – ausgenommen von den großen (s.u.) zeitlich schwer zu bestimmen. Nehmen wir mal an, jemand möchte ein Eisenwarengeschäft eröffnen. Da kann es nicht schaden, sich mit Min Mahagiri, dem Chef terrestrischen Chef der 37 Nats gutzustellen, der in seinem Vorleben Schmied war. Also bestellt der frisch gebackene Geschäftsmann eine Geisterzeremonie, legt ca. 300 Dollar (gern auch mehr) auf den Tisch und schon geht’s los. Hilft garantiert! Da die Menschen theoretisch zu allen Zeiten Hilfe von oben brauchen, kann man solche Feste auch nicht einplanen. Es gibt aber bestimmte Plätze, z. B. auf der Hinthagon-Pagode in Bago, wo solche Zeremonien abgehalten werden, falls man sie nicht im eigenen Haus veranstalten will.

Das trifft jedoch nicht für die großen Geisterfeste zu, unter denen das von Taungbyone mit Abstand das größte und wildeste ist. Hier treffen sich Hunderte von Natkadaws, man könnte also getrost von einer Natkadaw-Messe (in zweierlei Wortsinn) sprechen. Taungbyone liegt etwa dreißig km nördlich von Mandalay und wer sich im August in der Gegend um Mandalay aufhält, sollte einen Besuch einplanen.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, denn in dem unglaublichen Menschengewimmel, z.B. des Hauptschreins, der den beiden Brüdern ‚Geringwertiges Gold‘ gewidmet ist, können empfindliche Seelen womöglich klaustrophobische Anfälle erleiden.

Zur ‚Heerschau‘ der Natkadaws reisen Tausende von Besuchern an, um dort ihre/n persönliche/n Natkadaw zu verehren. Taungbyone verpasst? Kein Problem, in der grünen Saison gibt es in der Nähe der letzten Hauptstadt der burmesischen Könige etliche Geiserfeste, wie z. B. das Irinagu-Fest in Amarapura, einer ehemaligen Hauptstadt oder das Kyunpin-Natpwe in Mingun auf dem Westufer des Ayeyarwady. Auch Mt. Popa ist eine Hochburg des Geisterkultes, in der man zu bestimmten Zeiten Nat Pwes anschauen kann. Falls Sie Interesse haben, einem Nat Pwe beizuwohnen, fragen Sie uns. Wir organisieren das gern für Sie!

Ein besonderes Erlebnis für die Besucher des Landes ist stets die Novizenweihe. Sie entspricht in etwa der christlichen Konfirmation und markiert den Eintritt in die Gemeinschaft der Gläubigen. Shinpyu findet traditionell im April um das Wasserfest herum statt, aber auch zu anderen Jahreszeiten hat man gute Chancen, eine solche Zeremonie zu sehen.

Jeder buddhistische Junge vollzieht damit symbolisch den Weg des Buddha nach: zuerst wird er in prächtige, prinzliche Gewänder gekleidet, auf ein Pferd (heutzutage auch gern einen Toyota-Pickup) gesetzt, und im Dorf oder seinem Stadtteil herumgeführt, begleitet von jungen Mädchen und Männern, die in Götterkostüme gekleidet sind. Dann geht es zum Kloster und dort werden die Haare abgeschoren und der Prinzenornat gegen eine Mönchsrobe getauscht. Anschließend verbringen die Knaben ein paar Tage im Kloster, bevor sie wieder ins Laienleben zurückkehren. Für die Eltern ist das ein sehr wichtiger Augenblick in ihrem Leben, der ausgiebig gefeiert werden muss.

Da die Zeremonie relativ kostspielig ist, tendieren vor allem ärmere Leute dazu, sich zusammenzuschließen und gemeinsam das Fest zu feiern. So kommen manchmal bis zu zwanzig Novizen zusammmen und entsprechend prächtig ist das Fest.

Auf die Feste der Minoritäten wurde bereits im Kapitel ‚Begegnungen mit Stämmen‘ hingewiesen.
Für diejenigen, die am burmesischen Theater interessiert sind, lohnt sich vielleicht ein Besuch des Ramayana-Tanzspiels in der Deltastadt Pyapon.

Myanmars Strände

Angesichts einer Küstenlinie von mehr als 2.000 km Länge kann es nicht verwundern, dass darunter auch einige Abschnitte mit traumhaften Stränden sind. Für uns zählen sie zu den zu den schönsten in Südostasien. Warum? Hier gibt es noch keinen Massentourismus und Hochhäuser am Strand.

Hier eine Auswahl der schönsten Strände:

Ngapali ist der älteste und etablierteste Strand des Landes. Schon in der Kolonialzeit kamen die Briten hierher an den Golf von Bengalen, um sich am langen Strand von Ngapali zu erholen.

Ngwesaung: Am schier endlosen Strand von Ngwesaung haben sich etliche Hotels etabliert und – im Gegensatz zu Ngapali – sind darunter etliche, die man sich auch mit einem kleinerem Budget leisten kann.

Kanthaya oder Maw Shwe Chai: Der Standard dort ist allerdings in keiner Weise mit dem im 170 km nördlich davon gelegenen Ngapali oder Ngwesaung zu vergleichen.

Paradise Beach: Hier, in der Nähe der Stadt Dawei, erwartet eine einfache Bungalow-Anlage mit geringem Komfort in traumhafter Landschaft den Badegast. Strom nur am Abend und auch sonst muss man auf viele Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten.

Ganz im Süden liegt die bisher einzige Hotelanlage im Mergui-Archipel mit seinen mehr als achthundert Inseln: das Myanmar Andaman Resort! Eine traumhafte Anlage für den besser betuchten Reisenden.